Blick hinter die Kulissen der Museen Muttenz: «Feuriges» Holzofebrot
Vor über vier Jahrzehnten begann Schaggi Gysin mit dem experimentellen Backen im historischen «Holzbachofe» des Bauernhausmuseums. Wer mehr zum Backen wissen möchte, kann sich in beiden Museen oder auf der Gemeinde-Webseite unter dem Orts- oder Bauernhausmuseum unseren Werbefilm zum «Backen im Bauernhaus» ansehen.
Nach anfänglichen Misserfolgen bei der Backzeit oder der Temperatur ist das Backen nun schon lange erfolgreicher Teil des Museumsangebots. Früher arbeitete Oberbäcker Schaggi zusammen mit verschiedenen Mitgliedern der AGM, doch heute besteht das Backteam nur noch aus dem Ehepaar Gysin, dazu als Hilfskraft Ruedi Bürgin, der die Zöpfe einpinselt, und Myrtha Seiler am Verkaufsstand. Dieses Team ist perfekt eingespielt und die grosse Nachfrage nach den frischen «Holzofebroten» und Zöpfen bestätigt deren Qualität. Auch für Schaggis «Gâteau au Sel» oder für die feinen «Fruchtwääie» von Lotti spaziert man gerne ins Oberdorf.
Dass das Vorheizen nicht ganz so einfach abläuft, wie mit einem modernen Backofen mit Temperaturanzeige und Timer, zeigt dieses von Schaggi protokollierte Vorgehen zum Einfeuern und Aufheizen des Holzofens: Zum Einheizen des Ofens braucht es insgesamt 2 «Wälle» (meterlange Bündel aus zusammengebundenen Ästen), dazu eine Kiste voll «Schittli», moderne «Aazünd-Rölleli» aus Holzwolle, «Aafüüri» (feine Ästchen) und kleinere «Bängel» (Äste). Wenn der feinere Teil schön aufgeschichtet ist, wird angezündet. Damit es gut brennt, werden für die Luftzirkulation die obere Ofenklappe und das kleine Türchen unten ganz geöffnet. Wenn die «Aafüüri» gut brennt, das kleine Türchen fast schliessen und nach und nach Holz nachlegen. Jede halbe Stunde «chruckle», was heisst, mit der «Ofechrucke» (Schaber) die Glut gleichmässig im Ofen verteilen. Aufheizzeit ist 1½ bis 2 Stunden je nach Holzqualität und Luftdruck draussen. Während dieser Aufheizzeit kann also der Bäcker oder früher die Bäckerin sich nicht allzuweit vom Ofen entfernen, denn laufend gibt es kleine Veränderungen an den Klappen, um die Luftzirkulation und die Hitzeverteilung zu steuern. Gleichzeitig muss natürlich auch der Teig geknetet, zum «Haabe» beiseitegestellt und zuletzt die Brote geformt und zum Einschiessen bereitgelegt werden.
Der nach einer langen Pause sehr kalte Kamin und der jeweils herrschende Luftdruck machen sich natürlich beim ersten Einfeuern auch draussen bemerkbar. Je tiefer der Druck resp. je schlechter das Wetter ist, desto mehr bleibt der Rauch über dem Kamin hängen. Aber die Oberdörfler und Oberdörflerinnen kennen diese Rauchzeichen vor dem jeweils letzten Sonntag im Monat oder vor dem Dorfmärt und freuen sich schon auf das frische «Holzofebrot».
Am Vortag des diesjährigen Muttenzer Dorfmärts jedoch führte der nach unten gedrückte Rauch zu einem grösseren Einsatz von Gemeindepolizei und Feuerwehr. Passanten – wohl nicht bekannt mit den Gepflogenheiten des Bauernhausmuseums – alarmierten die Feuerwehr. Diese war innert kürzester Zeit vor Ort und evakuierte das höchst erstaunte Backteam aus der Küche und somit aus der Gefahrenzone des vermeintlichen Kaminbrandes. Natürlich liefen da die eingeübten Routinen und Kontrollmechanismen der Feuerwehrleute ab und konnten, trotz Einspruch der Bäckersleute, nicht gestoppt werden.
Wer im Oberdorf wohnt weiss allerdings, dass eine geöffnete Stalltüre im normalerweise geschlossenen Museum auf die Anwesenheit von Mitarbeitenden im Gebäude hinweist. Eine kurze Nachfrage hätte also hier das Grossaufgebot verhindern können. Aber nehmen wir es mit Humor! Vorallem wissen wir jetzt, wie schnell die Muttenzer Feuerwehr im Notfall vor Ort sein kann. Auch das ist doch eine Beruhigung, nicht nur für die Museumsleute.
Am kommenden Juni-Wochenende wird übrigens, auch bei schönstem Hochdruckwetter, der Backofen kalt bleiben, denn der Chefbäcker ist am Jodlerfest. Auch wenn Muttenz an der Stadtgrenze von Basel liegt, es reicht nicht – wie wir jetzt wissen - zwischendurch mal zum Backen zurückzukommen und eine Vertretung haben wir leider nicht.
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Das Bauernhausmuseum ist geöffnet am Sonntag, 28. Juni von 10 - 17 Uhr. Sie haben die Möglichkeit in das bäuerliche Leben um 1900 einzutauchen, ohne Strom und ohne fliessendes Wasser im Haus. Auf der Schopfbühne sind diverse Filme aus dem früheren Landleben und über die Arbeiten der Arbeitsgruppe Museen abrufbar. Der Holzofen wird erst wieder im Juli eingeheizt. Besuchen Sie auf dem Weg ins Dorf auch die neuen Infotafeln «Muttenz erzählt», wovon auch eine Station über das Leben im Bauernhaus erzählt. Das Ortsmuseum ist am Sonntag, 28. Juni zwischen 14 – 17 Uhr geöffnet. Neu kann die historische Fotoschau nun gezielt nach Themen durchsucht werden. In der Dauerausstellung zeigen wir die geschichtliche Entwicklung von Muttenz und der Siedlungsgenossenschaft Freidorf, dazu auch die Werbefilme zu Ausstellungen und der Arbeit der Arbeitsgruppe Museen Muttenz. Auch ein Teil des umfangreichen Nachlasses des Muttenzer Historienmalers Karl Jauslin ist ausgestellt. Ein Ratespiel und Kopien historischer Tischspiele stehen zur Unterhaltung bereit. In den Sommerferien bleibt das Ortsmuseum geschlossen. |