Blick hinter die Kulissen der Museen Muttenz: Wie ein Muttenzer Maler nach Mittelerde kam
Da die heissen Juni- und Juliwochen keine nennenswerten Aktivitäten der Arbeitsgruppe Museen zuliessen, kam der nachfolgende Text in der bz sehr gelegen. Er zeigt auf, wie weit bereits 2015 KIM.BL, das baselbieter Vorprojekt zum heutigen Netzwerk Kulturerbe Schweiz www.kimnet.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet., ausgestrahlt hat. Die Museumssammlung in Muttenz ist ja seit Anfang in dieser Kulturgüterdatenbank mit volkskundlichen Objekten, historischen Fotos und dem Nachlass von Karl Jauslin gut vertreten. Hannes Nüsseler hat die Geschichte zur speziellen Nutzung eines Jauslin-Schlachtenbildes recherchiert und uns seinen Text zur Verfügung gestellt:
Der Muttenzer Historienmaler Karl Jauslin (1842-1904) starb zwar vor dem Kinozeitalter, trotzdem hat er seine Spuren in Peter Jacksons «The Hobbit» hinterlassen.
Jauslin war die perfekte Besetzung. Der Historienmaler entwarf nicht nur patriotische Festumzüge, die das nationale Bewusstsein des 1848 neu gegründeten Bundesstaates festigen sollten. Der grossgewachsene Sohn eines Muttenzer Polizisten nahm verkleidet auch selbst an den Umzügen teil. Mit seinem wallenden Bart und seiner Vorliebe für historische Kostüme hätte sich der Künstler auch mühelos unter die Kämpfer der «Schlacht der Fünf Heere» (2014) mischen können.
Marc Limat, Leiter Museum.BL, erinnert sich: «Im Juni 2015 erreichte mich eine Mail aus Hollywood. Die Kreativagentur Trailer Park Group interessierte sich für die Rechte an einem Werk Jauslins, um DVD-Bonusmaterial zu «The Hobbit» zusammenzustellen». Neben den Museen Muttenz, die Jauslins Nachlass verwalten, besitzt auch die kunsthistorische Sammlung von Archäologie und Museum Baselland 34 Werke des Künstlers. Darunter befindet sich das farbige Aquarell «Schlacht bei Sempach» (1889), auf das sich die Anfrage bezog. Nach Angaben der Agentur hatte das Kleinformat Regisseur Peter Jackson als Inspiration zu seinem epischen Leinwand-Schlachtengemälde gedient. «Ich hielt das Schreiben zuerst für ein Fake», so Limat, «doch dann haben wir recherchiert.»
Tatsächlich arbeitet die Trailer Park Group regelmässig für das Filmstudio Warner Bros., das «The Hobbit» produziert und offenbar ein Making-of in Auftrag gegeben hatte. «Eine zweite Person meldete sich zum gleichen Thema, auch diese konnten wir verifizieren.» Also sicherte Limat seine Unterstützung zu und handelte die Nutzungsbedingungen aus.
«Die ‹Schlacht bei Sempach› ist auf dem Kulturgüterportal von Netzwerk Kulturerbe Schweiz www.kimnet.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. hinterlegt: So hat uns Trailer Park erst ausfindig machen und anfragen können.» Da das online publizierte Bild nicht urheberrechtlich geschützt ist, kann es jederzeit verwendet werden. Die Agentur bat um ein Digitalisat des Gemäldes in hoher Auflösung und das Recht, dieses zeitlich unbefristet und weltweit nutzen zu können. Limat einigte sich mit Trailer Park im Gegenzug darauf, Herkunft und Autorschaft des Bildes im Abspann klar zu benennen.
Jauslins mythisch überhöhtes Kampfgetümmel passt durchaus zum visuellen Überschwang von «The Hobbit». Als Inspiration für die waffenstarrenden Szenen kann Limat sich die «Schlacht bei Sempach» gut vorstellen: «Ich hatte den Film noch in frischer Erinnerung, das war sehr plausibel.»
Tatsächlich gibt es zu Beginn der Schlacht einen Moment, in dem sich Angreifer in einen Speerwall werfen. Interessanterweise sind die Speerträger aber nicht mit den habsburgischen Aggressoren auf Jauslins Bild assoziiert, sondern mit den freien Völkern Mittelerdes: Wo bei Jauslin die Eidgenossen stehen, lässt Jackson Orks und Trolle auflaufen.
«Ich habe schon die ‹Herr der Ringe›-Trilogie geliebt», erzählt der Museumsleiter. Fasziniert habe ihn auch die Tatsache, dass sich die Filme in ihrer Ausstattung an wirklichen Vorlagen orientierten – an Waffen, Werkzeugen und echtem Handwerk. «Natürlich ist es Fantasy, aber mit einem historischen Gehalt im Materiellen.» So ähnlich wie das wohl auch Karl Jauslin damals schon mit seinen Bildschöpfungen hielt.
Über zwei Monate vergingen bis zur Fertigstellung des Bonusmaterials für die «Hobbit»-DVD. Dann kam die schlechte Nachricht, «dass Jauslins Bild den Final Cut nicht überstehen wird», sagt Limat. «Die Kreativagentur entschuldigte sich tausendfach und beteuerte, dass es nicht an der Qualität des Kunstwerks gelegen habe». «Sie stellte in Aussicht, das Material nach Möglichkeiten für weitere DVD-Editionen oder Making-ofs zu verwenden.» Ob es tatsächlich dazu kommt, bleibt vorerst offen. Anlass dafür gäbe es: Warner Bros. entwickelt derzeit mit «The Hunt for Gollum» einen weiteren Mittelerde-Film.
Karl Jauslin hätte der späte Hollywood-Ruhm so oder so gefallen, starb der eingefleischte Historien-Cosplayer doch in Ausübung seines Vergnügens: Als der Maler 1904 an einem Festumzug in Liestal mitwirkte, erlitt er einen Schlaganfall und verstarb wenige Tage nach seiner letzten historischen Rolle.
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Das Bauernhausmuseum ist am Sonntag, 30. August von 10 – 17 Uhr geöffnet. Das Ortsmuseum und die Karl Jauslin-Ausstellung öffnen auch wieder am Sonntag, 30. August zwischen 14 – 17 Uhr. Besuchen Sie auf dem Weg zu den Museen auch die neuen Infotafeln «Muttenz erzählt» mit den spannenden Hörspielen. |