Blick hinter die Kulissen der Museen Muttenz: Ein wertvolles Geschenk mit Problemen im Schlepptau

11. Mai 2026
Barbara Rebmann

Seit vielen Jahrzehnten sammelt der in Muttenz wohnhafte Peter Blöchle historische Beleuchtungskörper aller Art. Als ursprünglich gelernter Möbelschreiner übernahm er mit 22 Jahren ein Antiquitätengeschäft in der Spalenvorstadt in Basel. Das Interesse seiner Kunden galt damals oft den wenigen historischen Lampen im Schaufenster. So arbeitete er sich in diese Materie ein und wurde zum absoluten Kenner, Sammler und Restaurator von historischen Lampen. Über die Jahrzehnte entstand so eine einzigartige und gut dokumentierte Sammlung, die er noch im heutigen Lampenatelier Arte & Licht aufbewahrt. Vor mehreren Jahren war die Arbeitsgruppe Museen (AGM) anlässlich ihres Weiterbildungstages einmal an einer Führung durch seine gesammelten historischen Schätze - es war überwältigend und äusserst lehrreich.

Nun steht aktuell die Liquidation des Geschäftes bevor. Blöchle ist längst im Pensionsalter und eine Nachfolge ist leider nicht in Sicht. Somit müssen die unzähligen Objekte entweder einzeln verteilt oder als Konvolut in passende Museumssammlungen weitergegeben werden. Beides ist extrem schwierig, denn so begeisterte Sammler, wie er selber einer ist, werden immer seltener und sind meist auch schon weit im Pensionsalter. Museen haben in der Regel nicht soviel Stauraum, um die immense Anzahl an Beleuchtungskörpern aufnehmen und vorallem betreuen zu können. Nun dachte er erfreulicherweise auch an die Museen in seiner Gemeinde. Denn bei unserem letzten Adventsfenster mit dem Thema «es ward Licht» hatte er unsere Filmemacher bereits mit Tipps und passenden Objekten ausgerüstet.

Im vergangenen Monat brachte Blöchle einen ganzen Kofferraum voller historischer «Lampen» bei AGM-Präsident Ruedi Bürgin vorbei. Dieser war begeistert und hatte grosse Freude an den Objekten. Alle Einzelstücke sind speziell und selbstverständlich bestens dokumentiert, datiert und in perfektem, funktionsfähigen Zustand.

Doch - jetzt kommt das grosse ABER – passen sie in unsere Sammlung?

Bereits 2008 hat die AGM erste Richtlinien ausgearbeitet, um die bereits vorhandene Objektschwemme in geregelte Bahnen zu lenken. 2013 wurde das Sammlungskonzept überarbeitet und nochmal enger gefasst. Seit 2017 ist das Konzept auch auf der Webseite der Einwohnergemeinde öffentlich abrufbar. Die AGM hält sich seither tatsächlich an die Vorgabe nur «Muttenzer Lebens- und Arbeitswelten bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts» zu sammeln.

Konkret heisst das: Die Objekte müssen nachweislich in Muttenz genutzt und im besten Fall sogar hier hergestellt worden sein.

Die zweite Vorgabe lautet: Die Objekte müssen dem historischen Leben im ländlichen Muttenz entsprechen. Ausnahmen sind nur Objekte aus den wenigen, besser gestellten Haushalten beispielsweise eines Arztes oder einer Wirtefamilie erlaubt. Aber auch hier ist die Nutzung in Muttenz der Hauptpunkt.

Sollen wir nun eine Ausnahme machen und diese einmaligen Lampen behalten? Damit würden wir wohl andere Donator/innen vor den Kopf stossen, deren Themensammlungen wie Fingerhüte, Hobel, Nachttöpfe, Puppen usw. wir bereits abgelehnt haben. Es wurden uns ja schon mehrfach Sammlungen angeboten, deren Einzelstücke aus der ganzen Schweiz oder teilweise gar aus Europa stammen.

Oder sollen wir die Lampen ablehnen und einen ausgewiesenen Fachmann für Beleuchtungskörper abweisen? Er könnte uns sicher auch bei der Inventarisierung unserer schon vorhandenen Sammlungsstücke noch detailliertere Angaben machen. Fehler hat er nämlich schon entdeckt! Geht Wissen ja, aber Objekte nein?

Die AGM steckt also im Dilemma, denn Ausnahmen zum Konzept gibt es nur mit Mehrheitsbeschluss. In unserer nächsten Museumssitzung wird es also wohl eine heisse Diskussion zu diesem Thema geben.

Das Bauernhausmuseum öffnet wieder am Sonntag, 31. Mai. Folgen Sie einfach ab 10 Uhr dem Duft des frischen «Holzofebrots» im Oberdorf. Bis gegen 17 Uhr haben Sie auch noch die Möglichkeit in das bäuerliche Leben um 1900 einzutauchen oder sich ein «Plättli» oder eine «Wääie» in der «Bäsebeiz zum Tschuppeldäni» zu genehmigen.

Achtung: Am 28. Juni gibt es am Museumssonntag kein Brot! Eingeheizt wird der Ofen erst wieder im Juli.

 

Das Ortsmuseum ist am Sonntag, 31. Mai zwischen 14 – 17 Uhr geöffnet. Neu eingerichtet ist die historische Fotoschau, die nun gezielt nach Themen durchsucht werden kann. In der Dauerausstellung sind neben der geschichtlichen Entwicklung von Muttenz und der Siedlungsgenossenschaft Freidorf, unsere Sonderausstellung und das Video «es ward Licht» zu sehen, dazu auch die Filme zu Ausstellungen und der Arbeit der Arbeitsgruppe Museen Muttenz. Auch ein Teil des umfangreichen Nachlasses des Muttenzer Historienmalers Karl Jauslin mit den speziellen Geschichts- und Fasnachtsillustrationen ist ausgestellt. Zur Unterhaltung stehen ein Ratespiel, Kopien historischer Tischspiele und das Muttenz Memory für Jung und Alt bereit.

 

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