Blick hinter die Kulissen der Museen Muttenz: Zum Ende der diesjährigen Bauernhaussaison

14. Oktober 2026
Barbara Rebmann

Nach dem traditionellen Arbeitstag vor 2 Wochen und nach der Umstellung auf die Winterzeit, läutet das Bauernhausmuseum am kommenden Sonntag, 25. Oktober das Saisonende ein. Vielleicht fragen Sie sich, warum dieses Museum im Winter nicht geöffnet ist?

Zum einen wäre es in der «Bäsebeiz zum Tschuppeldäni» vor dem Bauernhaus etwas zu frisch oder zu nass für eine längere Einkehr. Drinnen ist die Stube zu klein, um Gäste zu bewirten und der Weg durch die kurzfristig warme Küche ist durch das Backen versperrt. Essen und Trinken drinnen zu servieren wäre unverantwortlich, da liegengebliebene Essensresten einen Nährboden für Schimmel bieten oder beispielsweise hungrige Mäuse anziehen könnten. Da das ganze Gebäude ungeheizt ist, lädt die Kälte im Winter also auch drinnen nicht zu einem gemütlichen Verweilen ein. Auch möchten wir den 4-beinigen Wintergästen wie Fuchs, Marder oder den Katzen aus der Nachbarschaft keinen gemütlichen Unterschlupf in den Betten des Schlafzimmers bieten. So bleibt der Wohnteil den Winter über fest verschlossen

Der Hauptgrund jedoch ist mikroskopisch klein. Durch eine Weiterbildung sensibilisiert, hatten wir vor gut 20 Jahren entdeckt, dass im Frühjahr auf vielen Möbeln und vorallem auf den damals dort ausgestellten Korbwaren, Textilien und Ledersachen Schimmelbeläge vorhanden waren. Dies war natürlich alarmierend, weiss man heute ja, dass Schimmel stark gesundheitsgefährdend ist. Ein Fachmann für Schimmelprophylaxe in alten Bauernhäusern gab uns dann den Tipp, Wetter, Temperaturen und Luftfeuchtigkeit innen und aussen regelmässig zu protokollieren. Aus den gesammelten Daten aller Räume ergab sich dann, dass nach Führungen durch die Atemluft der Gäste und im schlimmsten Fall nasse Kleidung und Schirme zusätzliche Feuchtigkeit ins Gebäude gebracht wird, welche auf den kalten Mauern kondensiert. Somit sollten im Winter vorerst keine Gäste mehr in den Wohntrakt gelassen werden. Um die feuchte Luft wieder auszutrocknen musste der Wohntrakt bei Aussentemperaturen unter Null, also mit tiefer Luftfeuchtigkeit von weniger als 20%, mehrfach gelüftet werden. Diese Massnahmen haben genützt, Schimmel im Wohntrakt ist seither kein Thema mehr.

Das ganze Bauernhaus war und ist immer noch nicht geheizt. Ausnahmen sind die 1984 neu eingebaute Toilettenanlage und das Office. Dort hält jeweils ein Frostwächter die Temperatur über dem Gefrierpunkt, damit die Wasserleitungen nicht einfrieren. Auch in historischen Zeiten war es so, dass nur lokal mit der Herdwärme in der Küche und natürlich dem vom Backen aufgeheizten Kachelofen in der Stube temperiert war. Die restlichen Zimmer waren doch eher frostig kalt, so dass bei extremer Kälte über Nacht das Wasser in der Waschschüssel einfror und Eisblumen an den einfach verglasten Fensterscheiben wuchsen. Damals waren sogar im Haus mehrere Schichten mit warmer Kleidung und dicke Wollsocken und Holzschuhe gefragt.

Im gesamten Ökonomieteil des Bauernhauses hingegen besteht keine Gefahr, denn dort herrscht andauernder Durchzug. Das nicht isolierte Dach, das roh gezimmerte, grosse Holztor und die «Lättli-Wände» sind so luftdurchlässig, dass sich Schimmel kaum dauerhaft ausbreiten kann. Genauso funktionierte es auch in historischen Zeiten.

Nun wird also die Arbeitsgruppe Museen nach dem Museumssonntag den Wohnteil im Bauernhaus auf den Winter vorbereiten, die Möbel von der kalten Steinmauer wegschieben und allfällige Originalfotos von den Wänden nehmen. Unterbrochen wird dieser Winterschlaf nur für die kurze Einrichtungszeit unseres alljährlichen Adventsfensters anfang Dezember und natürlich dann auch nochmal beim Abbau nach Dreikönig. Dies dauert jeweils nur wenige Stunden. Danach herrscht Ruhe bis im April, wenn mit dem Frühjahrsputz die neue Saison wieder eingeläutet wird.
 

Das Bauernhausmuseum öffnet zum Saisonende am Sonntag, 25. Oktober. Folgen Sie einfach ab 10 Uhr dem Brotduft im Oberdorf – «es het solangs het». Bis gegen 17 Uhr haben Sie auch die Möglichkeit in das bäuerliche Leben um 1900 einzutauchen und sich das ländliche Leben anzuschauen.

Besuchen Sie auf dem Weg zu den Museen auch die neuen Infotafeln «Muttenz erzählt» mit den spannenden Hörspielen. Eine Tafel steht direkt vor dem Bauernhausmuseum und erzählt die fiktive Geschichte der früheren Bewohner/innen.

Das Ortsmuseum ist am Sonntag, 25. Oktober zwischen 14 – 17 Uhr geöffnet. Zu sehen ist die historische Fotoschau und die Dauerausstellung zur geschichtlichen Entwicklung von Muttenz und der Siedlungsgenossenschaft Freidorf. Zur Unterhaltung stehen ein Ratespiel, Kopien historischer Tischspiele und das Muttenz Memory für Jung und Alt bereit.

Auch verschiedene Filme zu Ausstellungen und der Arbeit der Arbeitsgruppe Museen Muttenz sind in beiden Museen zu sehen.

 

Rückblick auf einen nassen, aber trotzdem erfolgreichen Arbeitstag.
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