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Hinter den Kulissen der Museen Muttenz: Instandhaltung von Lederobjekten

Seit vielen Jahren ist Schuhmacher Franz Näf Mitglied der Arbeitsgruppe Museen Muttenz. Man kennt ihn vor allem als frühaufstehenden und versierten Museumsbäcker am Backofen des Bauernhausmuseums. Im letzten Winter waren aber für einmal nicht seine "küchentechnischen" Fähigkeiten gefordert, sondern seine Kenntnisse in Lederpflege. In Ausstellungen und Depots unserer Museen sind nämlich einige alte Schuhmodelle, Taschen und viele weitere Lederwaren vorhanden. Auch diese Objekte benötigen ihre ganz spezielle Pflege, die sie aber in den letzten Jahren aus Zeitmangel nicht mehr erhielten.

Bereits vor langer Zeit hatten sich im Bauernhausmuseum einige leichte Schimmelflecken auf verschiedenen Lederriemen und Laschen in den Arbeitsräumen bemerkbar gemacht. Dank der guten Durchlüftung durch undichte Stalltüren und Wände im Oekonomieteil waren diese aber bei längeren trockenen Wetterperioden jeweils von selber wieder verschwunden. So war das ja auch schon zu früheren Zeiten und daher nicht weiter beunruhigend. Nun hatten aber die milden, feuchten Winter und die regnerischen Sommer der letzten Jahre das Klima im geschlossenen Wohnteil des Bauernhauses verschlechtert. So wurden dort neben Möbeln und Textilien auch Schuhe und Ledertaschen durch die konstant hohe Luftfeuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Nun sollen aber weder die historischen Objekte weiter geschädigt noch die Museumsgäste und Mitarbeitenden im Bauernhaus gesundheitlich gefährdet werden. Also musste dringend etwas unternommen werden.

Die vom Schimmel befallenen Taschen und Schuhe wurden in der letzten Winterpause zu einer "Wellness-Kur" in die Baselstrasse gebracht. Nach eingehender Beratung mit einigen Fachkollegen nahm Franz Näf die zeitaufwändige Instandstellung in Angriff: Zuerst wurde mit einem stark filternden Staubsauger der Staub und damit alle eventuell vorhandenen Pilzsporen sorgfältig abgesaugt. In mehreren Durchgängen wurden die Schuhe dann mit speziellen "Tinkturen" abgetupft und gereinigt, um auch den letzten Schimmelrest in den Poren ganz abzutöten. Danach musste das Leder mit "Heilsalbe" eingerieben und genährt werden, um es wieder geschmeidig zu machen. Zum Schluss wurde es mit einer "sanften Bürstenmassage" wieder auf Hochglanz poliert. Welche Produkte dazu verwendet wurden, darf ruhig ein Berufsgeheimnis bleiben. Wer es genauer wissen will, möge den Fachmann direkt befragen.

Auf jeden Fall brauchte diese Lederaufbereitung viel Fingerspitzengefühl und Sachverständnis. Sie war äusserst zeitaufwändig und wurde - wie alle Museumsarbeiten - auch ehrenamtlich geleistet. Wer seine Lederschuhe noch nach alter Sitte mit Schuhfett oder Wichse und Polierbürste pflegt, kann einen kleinen Teil des erbrachten Aufwandes erahnen.

Die Wirkung der Kur war im Frühling jedenfalls sichtbar: die im Wohntrakt des Bauernhausmuseums ausgestellten Lederartikel hatten wieder ihre ursprüngliche gesunde Farbe und keine matten oder gar weisslichen Beläge und Risse mehr. Die Arbeitsgruppe Museen muss nun in Zukunft vermehrt die Ausstellung im Bauernhausmuseum kontrollieren und heikle Objekte auch während der kommenden Winterpause vorsorglich ins klimasicherere Depot verlegen müssen.

Schön wäre es, wenn unsere Schuhsammlung noch weitere historische Modelle aus Muttenzer Haushalten aufnehmen dürfte. Sind diese stark abgetragen und vielfach geflickt, so macht das nichts - ganz im Gegenteil. Diese Gebrauchsspuren erzählen uns sichtbare Geschichten aus früheren Zeiten, in denen Schuhe eine Kostbarkeit bedeuteten, welche gehegt, gepflegt und meist sogar weitervererbt wurde. Denn noch vor dem Ersten Weltkrieg liefen die meisten Muttenzer Kinder während der warmen Jahreszeit barfuss herum.

Am Sonntag, 26. Oktober haben Sie die letzte Gelegenheit, das Bauernhausmuseum vor der Winterpause zu besuchen.
Lederobjekte
 

Dokument Hinter_den_Kulissen_der_Museen_Muttenz.pdf


Datum der Neuigkeit 20. Okt. 2008