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Dialoggruppe Rütihard

Kurzbericht neuntes Treffen 24. August 2020, 18 bis 21 Uhr, Grosser Saal, Mittenza Muttenz

Dialogverfahren Rütihard Muttenz

Zur neunten und letzten Sitzung am Montag 24. August 2020 trafen sich 28 Mitglieder der Dialoggruppe, zwei Vertreter des Kantons Basel-Landschaft, die Projektleiterin der GEOTEST AG sowie Prof. Simon Löw von der ETH als unabhängiger Experte. Urs Hofmeier, Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, war per Video zugeschaltet.

Nach dem Entscheid der Salinen, das Projekt zur Soleförderung auf der Rütihard für mindestens 20 Jahre zurückzustellen, entschied die Trägerschaft, den Dialogprozess mit dieser Sitzung zu beenden.

Die Salinen begründeten ihre Entscheidung noch einmal ausführlich. Um die Schweiz jederzeit solidarisch, unabhängig und zuverlässig mit Salz aus einheimischer Produktion zu versorgen, benötigen sie Planungssicherheit. Die jüngst zunehmenden regionalpolitischen Hürden und Verzögerungen führen zu einer erheblichen Erhöhung des versorgungspolitischen und unternehmerischen Risikos und veranlassten den Verwaltungsrat zu einer Neubeurteilung.

Als nächstes orientierte Gabor Fuchs, Chefgeologe der Schweizer Salinen AG über die Ergebnisse der zweiten Sondierbohrung auf der Rütihard im vergangenen Winter. In 211 Meter Tiefe ist ein gut 40 Meter mächtiges, qualitativ hochstehendes Salzlager vorhanden. Trotz zweier Störzonen, die oberhalb des Salzlagers angetroffen wurden, sprechen wichtige Erkenntnisse hinsichtlich Dichtheit und Spannungsverhältnisse für einen sicheren Salzabbau.

Der unabhängige Experte Prof. Löw stellte seine zusammenfassende Beurteilung und Empfehlungen vor (siehe Anhang). Als grösstes Risiko eines Salzabbaus unter der Rütihard betrachtet er die langfristige Gefährdung der Grundwasserqualität im Gebiet Muttenz/Schweizerhalle. Ein solches Szenarium wäre vor allem möglich, falls Kavernen auf der Rütihard langfristig nicht stabil wären. Instabile Kavernen in grosser Tiefe sind oft nicht als Einstürze an der Oberfläche erkennbar und betreffen vor allem spätere Generationen. Er empfiehlt deshalb, ein langfristiges Verwahrungskonzept für die Kavernenfelder zu entwickeln und ein umfassendes Monitoringsystem für die Grundwasserqualität aufzubauen.

Am 26. August 2020 diskutierte Prof. Löw die möglichen Umweltauswirkungen mit interessierten Mitgliedern der Dialoggruppe während einer Exkursion auf der Rütihard.

In einem abschliessenden Bericht wird er in einigen Wochen seine Erkenntnisse und Empfehlungen zu Handen der Trägerschaft des Dialogprozesses und dem Kanton Basel-Landschaft ausführlich darstellen. Dieser Bericht soll später zusammen mit einer Stellungnahme der Salinen öffentlich zugänglich sein.

Die stellvertretende Generalsekretärin der Finanz- und Kirchendirektion des Kantons Basel-Landschaft, Stephanie Matter, informierte über die nächsten Schritte im Konzessionsverfahren. Die Verhandlungen können vermutlich im vierten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Darauf folgt die Anhörung der betroffenen Gemeinden bevor der Regierungsrat und der Verwaltungsrat der Salinen ihre Beschlüsse fassen als Grundlage für die politische Beratung in den Kommissionen und letztlich im Landrat.

Zum Abschluss besprach die Dialoggruppe, dass die Webseite ruetihard.ch bis nach dem Konzessionsentscheid im Landrat aufgeschaltet bleibt. Auf dieser werden weitere Unterlagen aus dem Dialogverfahren einsehbar sein.

Für die Dialoggruppe, die Mediatoren
Emanuel Wassermann und Wolfgang Wörnhard                                                              27.8.2020

Dialoggruppe Rütihard

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Anhang zum Kurzbericht 9. Treffen 24.8.20

Zusammenfassende Beurteilung und Empfehlungen von Prof. Simon Löw, ETH Zürich

Bisherige Arbeiten des Unabhängigen Experten

  • Detail-Überprüfung der folgenden Expertenberichte inklusive Primärdaten:
    • ExB-1 Bau und technischer Betrieb Soleförderung, DEEP.KBB GmbH, 15.11.2019
    • ExB-2 Regionale Geologie, GEOTEST. Zollikofen, 20. November 2019
    • ExB-3 Hydrogeologie, GEOTEST. Zollikofen, 22. April 2020
    • ExB-4 Gebirgsmechanische Bewertung, Institut für Gebirgsmechanik IUB GmbH, 22.10.2019
    • ExB-5 Seismizität, GEOTEST. Zollikofen, 28. Januar 2020
  • Erstellung von PPT Stellungnahmen zhv Trägerschaft und Dialoggruppe
  • Kurze Sichtung der folgenden Expertenberichte:
    • ExB-6 Senkungen und Bergschäden, GEOTEST. Zollikofen, 15. Juni 2020
    • ExB-7 Hanginstabilität/Naturgefahren, GEOTEST. Zollikofen, 1. Mai 2020
    • ExB-8 Geologische Schadensfälle, GEOTEST. Zollikofen, 20. Februar 2020
  • 3 Gespräche mit Trägerschaft zu Verfahrensabläufen, Auftrag, Zusammenfassende Stellungnahme zu ExB 1-5
  • Fachgespräch Bau & Betrieb und Geländebesuch Grosszinggibrunn mit Salinen und Experten

Zusammenfassende Bewertung Stand August 2020

  • Die Untersuchungen zum Projekt Rütihard, welche im Auftrag der Schweizer Salinen AG (SSA) ausgeführt wurden, sind sehr umfangreich und von hoher Qualität.
  • Die SSA haben dem unabhängigen Experten sehr umfangreiche Primärberichte und Datensätze zeitgerecht zur Verfügung gestellt.
  • Der heutige Salzabbau im Gebiet Grosszinggibrunn erfolgt in einem ähnlichen geologischen Kontext wie auf der Rütihard (Adlerhofgewölbe).
  • Bau und Betrieb (insb. Bohrtechnik, Solkomplettierung, Soltechnik und Überwachung) der heutigen Soleförderung in Grosszinggibrunn erfolgt weitgehend nach dem in DEEP.KBB (2020) beschriebenen Stand der Technik.
  • Die langfristige Integrität der Kavernen im Gebiet Rütihard ist fraglich und wurde bisher nicht nachgewiesen. Sie ist stark von der Komplexität der lokalen geologischen/geotechnischen Verhältnisse abhängig.
  • Potenzielle negative Auswirkungen betreffen vor allem die langfristige Grundwasserqualität im Gebiet Muttenz-Schweizerhalle.
  • Aufgrund der heutigen Kenntnisse stellen Seismizität und Setzungen keine wesentlichen Gefährdungsbilder dar. Hanginstabilitäten könnten durch undichte Bohrungen in den Flanken ausgelöst/verstärkt werden.

Empfehlungen für Grosszinggibrunn und Rütihard

  • Detaillierte Erkundung der geologischen/gebirgsmechanischen Verhältnisse im Gebiet Grosszinggibrunn und Rütihard
  • Detail-Untersuchung der Ursachen von Leckagen von Bohrungen in Grosszinggibrunn
  • Überprüfung (Validierung) und Kalibrierung der gebirgsmechanischen Modelle mit Langzeit-Messreihen und Rückrechnungen von früheren Schadenfällen
  • Durchführung von Modellrechnungen zur Bewertung der langfristigen (500 J) Integrität von Kavernen im Adlerhofgewölbe unter Berücksichtigung der lokalen Geologie/Geomechanik
  • Entwicklung von langfristigen lokationsspezifischen Verwahrungskonzepten für die Kavernenfelder im Adlerhofgewölbe (Grosszinggibrunn und Rütihard)
  • Modellierung möglicher Beeinträchtigungen der Grundwasserqualität im Abstrombereich der Rütihard im Schadensfall (Verbruch der Kavernen, Leckagen entlang Bohrungen)
  • Aufbau eines umfassenden Monitoringsystems für die Grundwasserqualität im Abstromgebiet der Kavernenfelder im Adlerhofgewölbe

Schlussbemerkungen

  • Geologische Untersuchungen des Untergrundes und Modellrechnungen zur langfristigen Integrität von Kavernen bleiben immer mit Unsicherheiten verbunden.
  • Diese Unsicherheiten nehmen mit steigender Komplexität der geologischen Verhältnisse zu.
  • Die grössten Risiken eines Projektes Rütihard betreffen vermutlich die Grundwasserqualität, sie betreffen insbesondere spätere Generationen und sind vermutlich nicht (als Einstürze) direkt sichtbar.
  • Nach Abschluss der Zusatzuntersuchungen müssen die verbleibenden Risiken den Chancen eines Salzabbaus auf der Rütihard gegenübergestellt werden.


Datum der Neuigkeit 14. Sept. 2020